Haltbarkeit differenziert angehen

Betrachten wir Produkte als Systeme von Werkstoffen, Komponenten und Funktionen, ergibt sich eine differenzierte Sicht auf die Anforderungen an deren Haltbarkeit. Die in der Produktentwicklung geplante Nutzungsdauer für Produktsysteme insgesamt ist für den künftigen Nutzer von hoher Relevanz, wird jedoch stets nur in ökonomischer Sicht bei sonst gleichwertigen Alternativen an den ökonomischen Zielen der Hersteller und Vertriebspartner ausgerichtet (geplante Obsoleszenz).

Aus einer differenzierten Sicht auf das Produktsystem ergeben sich spezifischen Anforderungen an die Haltbarkeit von Werkstoffen, Komponenten und Funktionen, die für eine Berücksichtigung einer kreislaufkonformen Sicht an den vier Phasen Puffern-Herstellen-Nutzen-Zerlegen gesondert auszulegen sind.

  • Rohstoffverfügbarkeit (Kritikalität von Rohstoffen)
    • Wie gut sind Werkstoffe für die nachfolgende Produktgeneration verfügbar?
    • Anforderung: Je schwieriger Werkstoffe verfügbar sind (z.B. seltene Erden), umso haltbarer sind Komponenten, in denen diese Wertstoffe enthalten sind, ausgelegt werden.
    • Handlungsbedarf: Festlegung von Mindesthaltbarkeiten
  • Innovationspotential
    • Wie hoch ist der Innovationsgrad der nachfolgende Produkt- oder Komponentengeneration?
    • Anforderung: Je geringer das Innovationspotential, umso haltbarer ist die Komponente auszulegen.
    • Modularität: Bei noch bestehendem hohem Innovationspotential ist Modularität für die Komponente Grundbedingung.
    • Handlungsbedarf: Normierung für Produktentwicklung, Mindesthaltbarkeiten für innovationsarme Komponenten
  • Robustheit
    • Wie verschleißanfällig ist die betrachtete Komponente?
    • Anforderung: Verschleißteile müssen für den Nutzer tauschbar ausgelegt werden.
    • Handlungsbedarf: Normierung Verschleißteil, gesetzliche Vorgaben für Tauschbarkeit
  • Funktionalität
    • Wie produktgenerationsübergreifend ist die Nutzbarkeit von Funktionen bei Austausch/Upgrade von Komponenten und Software?
    • Anforderung: Einschränkungen von Funktionalitäten nach Austausch/Upgrade von Komponenten/Sofware müssen vermieden werden.
    • Handlungsbedarf: Entwicklung von Mindestqualitätsnormen für Austausch und Upgrades, Erweiterung des Mangelbegriffs
  • Wiederverwendbarkeit
    • Wie groß ist das Potential zur Weiter- oder Wiederverwendbarkeit in nachfolgenden Produktgenerationen?
    • Anforderung: Je höher die Weiter- oder Wiederverwendbarkeit der Komponente ist, umso haltbarer ist diese auszulegen.
    • Handlungsbedarf: Untersuchungen zu Weiter- und Wiederverwendbarkeitpotentialen in LCA-Analysen und Stoffkreislaufbetrachtungen
  • Entsorgungsproblematik
    • Wie problematisch sind Werkstoffe oder Komponenten in der Entsorgung (z.B. Giftigkeit)?
    • Anforderung: Je problematischer die Entsorgung umso haltbarer die Auslagung.
    • Handlungsbedarf: Erweiterung der Verordnungen und Richtlinien (z.B. RoHS, WEEE, REACH) um Mindesthaltbarkeitsanforderungen

Mit einer differenzierten Auslegung von Haltbarkeiten ergeben sich neue Anforderungen im Rahmen einer kreislaufkonformen Stoffnutzung in Produktsystemen. Lediglich die Gesamtnutzungsdauer als Rahmen zu adressieren, greift für eine kreislaufkonforme Sicht zu kurz. Aktuelle Erkenntnisse zeigen, dass insbesondere ein Recycling von „Seltenen Erden“ wirtschaftlich nicht tragfähig umgesetzt werden kann. Daher sind insbesondere Komponenten, die „Seltene Erden“ enthalten mit einer hohen Haltbarkeit auszulegen.

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